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Von den Anfängen bis 1933

Die Februarrevolution 1848 in Paris infolge der Unzufriedenheit mit dem Bürgerkönigtum und dem Zensurwahlrecht weckte auch die demokratischen Kräfte in Deutschland. Erste allgemeine Wahlen zur Nationalversammlung in Frankreich ließen aufhorchen.

Deutschland war in Dutzende Monarchien zersplittert.
Allein die Orte des jetzigen Ilm-Kreises gehörten zu den Fürstentümern Schwarzburg-Sondershausen, Schwarzburg-Rudolstadt, zu den Herzogtümern Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Coburg-Gotha und vereinzelt auch zu Preußen.
In der „Thüringer Zeitung“, die seit 1847 in Arnstadt erschien, fand man ein Sprachrohr, das vielen freien Gedanken Raum gab. Man forderte u.a. das Frongeld zu erlassen und ein neues Wahlgesetz nach freisinnigen Grundsätzen vorzulegen. Da diese Forderungen abgelehnt wurden , schaffte man auch in Arnstadt eine bewaffnete Bürgerwehr.
In Arnstadt begannen die ersten Unruhen am 26. März 1848. Bei einigen Staatsbeamten wurden die Fensterscheiben eingeworfen. Die Unruhen veranlassten die Fürstin in einem Aufruf „an ihre lieben Arnstädter“ diese zu Ruhe und Besonnenheit zu ermahnen. Sie versprach, alles zu tun, um die berechtigten Wünsche des Volkes zu erfüllen.
Höhepunkte der demokratischen Bewegung waren die Thüringer Volkstage.
Der dritte Thüringer Volkstag fand im Juli 1848 in Arnstadt auf dem Marktplatz statt. Nach der Fahnenweihe zogen die Versammelten geschlossen zur Käfernburg. Auf der dort stattfindenden Kundgebung wurde u.a. eine Entschließung über eine künftige deutsche Staatsform angenommen und an die Frankfurter Nationalversammlung geschickt.

An den Kämpfen zwischen der Bevölkerung und dem Militär im November 1848 in Erfurt nahmen auch einige Arnstädter Handwerksgesellen teil.
Nach der Niederschlagung der 48er Unruhen blieb die politische Gewalt weiterhin bei Fürsten- und Königtum, aber es gab in den 60er Jahren einen liberalen Frühling und ein neues Erwachen der demokratischen Bewegung.
Der politischen Niederlage stand ein gewaltiger wirtschaftlicher Aufschwung gegenüber den das Bürgertum in den fünfziger Jahren erlebte.
In Arnstadt wurde die erste Handschuhfabrik von Liebmann und Kiesewetter gegründet. Es folgten die Schuhindustrie, die Errichtung einer Schlauchfabrik und der Kammfabrik von Roebling.

Im November 1865 wurde in Arnstadt ein Arbeiterbildungsverein ins Leben gerufen. Die politisch bedeutendsten Ziele waren: Allgemeine Bildung, Hebung des geistigen und materiellen Wohles sowie gegenseitige Unterstützung der Mitglieder durch Kranken-, Unterstützungs- und Sterbekasse.

Am 9. August 1869 wurde in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht an der Spitze gegründet.
Bereits 1869 gab es in Arnstadt Anhänger der von Bebel und Liebknecht geführten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschlands. Sie kamen aus dem Arbeiterbildungsverein :
Es waren die Kammmacher:
Karl Hägerich, geb. 1840, gest. 1910
Friedrich Schörnig, geb. 1850, gest. 1892
Robert Gläser, geb. 1852, gest. 1936 und der Fabrikant
Alexander Winckler.

Dieselben gründeten mit Zustimmung der Partei eine Kammmachergenossenschaft, die von Alexander Winkler finanziell unterstützt wurde. Der Anlaß der Gründung war die Maßregelung der Kammmacher Hägerich, Schörnig und Gläser durch den Fabrikanten Röbling. Als führende Sozialdemokraten standen die drei gemaßregelten Arbeiter auf der schwarzen Liste und hatten keine Chance in Arnstadt wieder in Lohn und Brot zu kommen.
Der „alte “Hägerich oder der „Hauptmann“, wie ihn die Arnstadter Anhänger der sozialdemokratischen Partei nannten, war weit über Arnstadt hinaus bekannt. Er war jahrelang Vertrauensmann der Arnstädter sozialdemokratischen Partei und einer ihrer rührigsten Agitatoren.

Alexander Winckler, der aus bürgerlichen Kreisen stammte machte 1856 eine Lehre als Kaufmann. In seinem Lehrvertrag hieß es u. a. : „Alexander Winckler erhält von seinem Vater Wäsche, Kleidung, Wohnung und Beköstigung. Morgens sechs Uhr, im Winter etwas später bis Abends zehn Uhr, und darf sich Winckler ohne die ausdrückliche Bewilligung seiner Principalen nicht aus dem Geschäft entfernen.
Nach Beendigung der Lehrausbildung und weiterer kaufmännischer Tätigkeit machte sich Alexander Winckler selbstständig. Mit einem Teilhaber gründete er im Dorotheenthal bei Arnstadt eine Lack- und Farbenfabrik. Er war eng befreundet mit der Familie Wilhelm Liebknecht und August Bebel und fand früh den Weg zur Sozialdemokratie.

Die Gründung des Deutschen Reiches durch Bismarck beendete die territoriale Zersplitterung Deutschlands und schaffte einen bürgerlichen Nationalstaat.
Ein neuer bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung trat nach der Herstellung der Einheit Deutschlands ein.
Die schnelle Industrialisierung führte zu einem außerordentlichen Wachstum an Arbeitern und Angestellten.
Die Arbeits – und Lebensbedingungen waren schwer. Die Arbeitszeit der männlichen Arbeitskräfte betrug in der Regel zwölf Stunden täglich, die Löhne waren gering.
Dies geht auch aus einem Versammlungsbericht vom Juli 1872 hervor. Über eine öffentliche Versammlung des Arbeiterbildungsvereins zum Thema „Die Wissenschaft und die soziale Frage“ stand im Polizeibericht, dass der Redner zweimal verwarnt werden musste wegen der scharfen Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen. Darauf hin teilte der Landrat dem Vorsitzenden des Vereins in Arnstadt mit, dass er nicht bloß gegen die in seinem Statut angegebenen, sondern auch entgegen der Vorschrift im § 9 des Gesetzes vom 9. Juli 1856, politische und sozialdemokratische Zwecke verfolgte.

Nach einem Gesetz, das im Februar 1874 noch verschärft wurde, mussten politische Veranstaltungen aller Art bei der Polizei angemeldet werden.
Die Anmeldung hatte zum Beispiel folgenden Wortlaut:

„Arnstadt, den ... vormittags ... Uhr, erscheint freiwillig im Büro des Stadtrates der ... und meldet an, dass er der Unternehmer einer am ... Abend ... Uhr im Gasthaus ... abzuhaltenden Volksversammlung sei, in welcher der ... aus ... einen Vortrag über die Arbeiterfrage halten werde. Er bitte um die Erlaubnis dieser Volksversammlung.“

War dem Gesetz Genüge getan und die Versammlung genehmigt, erhielt der Polizeiwachtmeister den Auftrag die Versammlung zu Überwachen. Das konnte wie folgt lauten: „Herr Wachtmeister Schnell wird beauftragt, der Versammlung der sozialistischen Abgeordneten entsprechend § 3 des Gesetzes vom 16. Februar 1874 beizuwohnen.“

Ende 1874 kam es zu Besprechungen der Anhänger des Eisenacher und des lasssalleanischen Lagers und brachte die Mitglieder beider demokratischer Parteien einander näher. Der Vereinigungsparteitag des Allgemeinen Deutschen Arbeiterbundes und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei fand vom 22. bis 27. Mai 1875 in Gotha statt. Die neu gegründete Partei gab sich den Namen „Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“.

Unter dem Eindruck der Einigungsbestrebungen wurde am 10. Mai 1875 in Arnstadt ein neuer Arbeiterverein gegründet. Über Zweck und Grundsatz wird im Statut erklärt:
„Der Arbeiterverein bezweckt die Würde und das materielle Interesse seiner Mitglieder, wie der gesamten Arbeiterklasse zu wahren.“

Zur Reichstagswahl 1874 trat die Arbeiterpartei in Arnstadt zum erstenmal mit einem Aufruf, in dem die Bismarcksche Außen- und Innenpolitik scharf verurteilt wurde, an die Öffentlichkeit.
Das Wahlkomitee stellte sechs Forderungen auf, für die sich der Kandidat Alexander Winckler, Arnstadt, einzusetzen verpflichtete. Die wichtigsten der Forderungen lauteten:
„Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht für alle deutschen Staaten, Kreise und Gemeinden; unentgeltlicher Unterricht in allen öffentlichen Bildungsanstalten als Gymnasien, Seminaren, Universitäten und Akademien, so daß auch den Söhnen des Arbeiters und Kleinbürgers Gelegenheit geboten wird, die vollkommenste Bildung zu genießen, und es durch diese Maßregel aufhört, dass Bildung ein Vorrecht der besitzenden Klasse ist; Pressefreiheit und freies Vereins- und Versammlungsrecht.“

Im Sommer 1878 wurde der Reichstag aufgelöst und im Oktober trat das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie „ in Kraft.
Die Arbeiterorganisationen wurden verboten und verfielen der Auflösung.
Aber es war doch nicht möglich, die Arbeit der Sozialdemokratie zu unterbinden. An Stelle der verbotenen Organisationen wurden neue geschaffen. Die Gewerkschaften durch Fachverbände ersetzt. Zusammenkünfte wurden außerhalb der Stadt abgehalten, z. B. im Tambuch, auf der Wachsenburg oder im „Walperholz“.
Von großer Bedeutung für den Zusammenhalt der Demokraten war die Zeitung der Partei, der „Sozialdemokrat“, der ab 1879 in Zürich und in den letzten Jahren des Sozialistengesetzes in London gedruckt wurde.
Gleich nach dem Erscheinen der ersten Nummer wurde die Zeitung in Deutschland verboten, und für ihre Verbreitung wurden schwere Strafen angedroht. Dennoch wurde der „Sozialdemokrat“ auf vielfachem Wege nach Deutschland gebracht und erfreute sich eines ausgedehnten Leserkreises.

1885 wird als erster Sozialdemokrat Alexander Winckler in das Arnstadter Stadtparlament gewählt.
Auch dem internationalen Geschehen standen die Arnstädter Sozialdemokraten aufgeschlossen gegenüber. Nach einem polizeilichen Bericht über eine öffentliche Versammlung der Schneider in Arnstadt wurde der Schneidermeister Paul Reißhaus aus Erfurt , der in der sozialdemokratischen Bewegung in Thüringen eine führende Rolle spielte, 1889 als Delegierter zu einem allgemeinen Arbeiterkongress in Paris gewählt.
Offensichtlich handelte es sich dabei um eine getarnte Versammlung der Arnstädter Sozialdemokratie. In Wirklichkeit nahm Paul Reißhaus später am Gründungskongress der II. Internationale vom 14.-21. Juli 1889 in Paris teil. Gleichzeitig sandten die Arnstädter Sozialdemokraten an den Gründungskongress ein Begrüßungstelegramm.

Am 25. Januar 1890 verweigerte der Reichstag die Verlängerung des „Sozialis-
tengesetzes“.

Zu den Reichstagswahlen am 20. Februar 1890 erhalten die Sozialdemokraten in Arnstadt 1.127 Stimmen, für die bürgerlichen Partein stimmen 1.124 Wähler.

In einer öffentlichen Versammlung 1893 wurde ein sozialdemokratischer Wahlverein gegründet. An der Spitze dieser Organisation standen Alexander Winckler, Karl Hägerich und Fritz Gilek. In den Kreis dieser führenden Genossen traten später Max Ißleib, Joseph Heer , Wilhelm Bärwinkel, Hermann Kraußer und andere.
Im Jahr 1901 wurde der Name „Sozialdemokratische Partei“ angenommen.

Aus den Unterlagen im Stadtarchiv geht auch hervor, dass am 10. November 1893 die Gründung eines Arbeiterturnvereines durch den Schuhmacher Max Ißleib angezeigt wurde.
Der Verein wurde zunächst genehmigt. Aber mit Datum vom 10. 03.1894 schreibt der Fürstliche Schwarzburgische Landrat Schwing an den Magistrat der Stadt Arnstadt, dass er die Bildung bzw. den Fortbestand des Arbeiterturnvereins polizeilich beanstandet, weil zu befürchten ist, das derselbe weniger turnerische, als ordnungswidrige Zwecke verfolgt. Auf grund dieses Schreibens verbot der Magistrat den Arbeiterturnverein. Die eingereichte Beschwerde gegen die Auflösung des Vereins wurde vom Landrat als auch vom Innenministerium abgelehnt.
Bereits im Jahr 1890 hatte sich in Arnstadt der Radfahrer-Club „Vorwärts“ gebildet. Später wurde der Name Arbeiterradverein „Frisch auf“ angenommen.

Intensive Vorbereitungen trafen die sozialdemokratischen Organisationen zum 50. Jahrestag der bürgerlich –demokratischen Revolution von 1848. In Anbetracht der Erfahrungen die die Landesmutter mit ihren „lieben Kindern“ im stürmischen Jahr gemacht hatte, wurde die angesetzte öffentliche Veranstaltung mit dem Thema „Die deutsche Revolution vor 50 Jahren“ polizeilich verboten.

Im August 1898 hatten die Arnstädter Demokraten ein großes Erlebnis. Beim Gewerkschaftsfest auf dem „Bergschlösschen“ hielt Wilhelm Liebknecht die Ansprache.
Die Familie Liebknecht war in Arnstadt nicht unbekannt. Sie verband persönliche Freundschaft mit der Familie Alexander Winckler, und oft weilte Wilhelm Liebknecht mit seiner Frau und den Kindern, unter ihnen auch Karl Liebknecht, in den Mauern von Arnstadt. Diese Freundschaft zur Familie Winckler und die Anteilnahme an der Arnstädter Demokratiebewegung wurde nach dem Tode Wilhelm Liebknechts im August 1900 von Karl Liebknecht und auch von Rosa Luxemburg weiter gepflegt.

Als die Sozialdemokratische Partei das Ergebnis der zehn Jahre nach dem Ende des Sozialistengesetzes betrachtete, konnte sie wohl zufrieden sein und voller Zuversicht in das 20. Jahrhundert schauen.
Im Mittelpunkt der öffentlichen Versammlungen der Jahre 1900-1914 stand der Kampf um das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht und der Kampf gegen die Weltmachtpolitik der deutschen Reichsregierung und die damit verbundene Aufrüstung und Erhöhung der Rüstungsausgaben.

Die kommunalen Wahlforderungen der Sozialdemokraten waren u. a.
-Gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für Staat und Gemeinde
-Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehrmittel in den Volksschulen; -Obligatorischer Besuch der Volksschule für alle Gesellschaftsklassen; Trennung der Kirche von der Schule; Anstellung von Schulärzten
-Errichtung staatlicher Krankenhäuser mit unentgeltlicher Aufnahme und Pflege der Kranken

Im April 1900 stellte das sozialdemokratische Gemeinderatsmitglied Josef Heer in Arnstadt den Antrag, der Magistrat solle in den Etat für 1901 Mittel für einen oder mehrere Schulärzte einplanen. Dieser Antrag wurde abgelehnt.
Ein bedeutendes politisches Ereignis für die Arnstädter Sozialdemokraten war das Auftreten Karl Liebknechts am 23. September 1905 im “Schwarzburger Hof“. Anlass zu dieser Versammlung, die von ca. 500 Personen besucht wurde, war die russische Revolution.
50 Jahre nach dieser Versammlung, im September 1955, wurde durch die Arnstädter am ehemaligen „Schwarzburger Hof“ eine Gedenktafel für Karl Liebknecht eingeweiht.

Die Anfänge der Arnstädter Arbeiterjugendbewegung gehen auf das Jahr 1908 zurück. Zahlreiche Genossen, die nach 1918 in der Sozialdemokratischen Partei in
Arnstadt tätig waren, hatten in der Jugendbewegung ihre ersten politischen Schritte getan. Die damalige Jugendorganisation wurde von der „Zentralstelle für die arbeitende Jugend“ dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert geleitet. Die Arbeiterjugend in Arnstadt wurde vom Jugendausschuß der SPD unter Leitung von Karl Schrickel geführt .Bei politischen Diskussionen ging es sehr lebhaft zu. Mitglieder waren u. a. Max von Roda, Hans und Willi Jakobi, Walter und Ilse Schulze Martha Ißleib.

Als die Reichstagswahlen 1912 heranrückten, verstärkte die Partei ihre Öffentlichkeitsarbeit. Es wurden in zahlreichen Orten und Landgemeinden Stützpunkte und Wahlvereine gegründet. Nach einer öffentlichen Versammlung im Kurhaus in Arnstadt, in der der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Adolf Hoffmann sprach, beschlossen der Werkzeugdreher Otto Steinbrück und der Handschuhmacher Adolf Hüther einen Wahlverein für die Orte Dosdorf, Siegelbach und Espenfeld zu gründen. Rund 30 Personen, vorwiegend jüngere Bauarbeiter, zählten zu den Mitgliedern und entwickelten in diesen drei Dörfern eine starke politische Aktivität.
Am 5. Januar 1912 sprach Rosa Luxemburg im Kurhaus Arnstadt. Die Versammlung wurde von Hermann Kraußer geleitet. Mehr als 1000 Bürger Arnstadts wollten wissen was die Vertreterin der Sozialdemokraten zu sagen hatte. Sie sprach sich entschieden gegen die intensiven Kriegsvorbereitungen aus.

Die Reichstagswahlen brachten den Sozialdemokraten einen überwältigenden Sieg.

In Deutschland trat die sogenannte Kolonialfrage immer mehr in den Vordergrund der öffentlichen Diskussion. Kolonien , die Deutschland fehlten, wurden als wirtschaftliche Existenzgrundlage betrachtet, aber auch als Demonstration nationaler Größe verstanden.
In einer Atmosphäre nationalistischer Bestrebungen erklärte Österreich mit deutscher Rückendeckung am 28. Juli 1914 den Balkanstaaten den Krieg; der Beginn des I. Weltkrieges.
Am 4. August bewilligte die Mehrheit des Reichstages die erste Rate der Kriegkredite, auch mit Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion.
Antikriegskundgebungen und Demonstrationen gegen den Krieg fanden überall in Deutschland und auch in Arnstadt statt.
Am 31. Juli sprach Wilhelm Bärwinkel im Kurhaussaal vor ca. 1000 Bürgern gegen den Beginn des wahnwitzigen Krieges.
Der Krieg bedeutete für die Bevölkerung, dass sie sich nicht mehr satt essen konnte und auch Kleidung und Schuhwerk ständig weniger wurden.
In Arnstadt mussten Ende 1914 die Kartoffeln bereits durch das Polizeiamt beschafft werden. Infolge der Umstellung der Wirtschaft auf die Erfordernisse des Krieges stieg die Zahl der Arbeitslosen.
Über die Höhe der Rationen für die Jahre 1916/17 gibt das Stadtarchiv wie folgt Auskunft.
Für den Monat Dezember 1916 wurden pro Kopf der Bevölkerung 160 Gramm Speisefette, 1 Hering, 125 Gramm Nudeln, 100 Gramm Graupen, 25 Gramm Rüböl, 800 Gramm Fleisch oder Wurst, 20 Pfund Kartoffeln und 15 Pfund Brot zugeteilt.

Vom 1. August 1916 an durften laut einer Anordnung des Oberbürgermeisters Dr. Bielfeld Bekleidungsstücke nur gegen Bezugsschein an den Verbraucher abgegeben werden.

Trotz des Ausnahmezustandes, den die Militärbehörden verhängt hatten, kam es zu Streiks für höhere Löhne.
In der Arnstädter Gummiwarenfabrik erhob sich die Belegschaft im April 1917, um Lohnforderungen in Höhe von drei Mark wöchentlich zu erreichen. Ähnliche Lohnforderungen sind auch von den Arnstädter Lederarbeitern bekannt.

Von den Sozialdemokraten spaltete sich eine Gruppe Kriegsgegner als „Spartakusgruppe“ unter Führung von Karl Liebknecht ab.
Ostern 1917 wurde in Gotha die „Unabhängige Sozialdemokratische Partei“ (USPD) gegründet.
Nach einer Mitgliederversammlung der Arnstädter Ortsgruppe, teilte der Kreisvorstand der SPD dem Bezirksvorstand für den Bezirk Thüringen mit, dass der Kreisverband der SPD für Schwarzburg-Sondershausen aus der sozialdemokratischen Partei ausgetreten war.
Am 9. Dezember 1917 stirbt Alexander Winkler, der über Jahrzehnte die sozialdemokratische Bewegung in Arnstadt als politische Persönlichkeit mit gestaltete. Sechsundzwanzig Jahre lang vertrat er die Interessen aller Bürger der Stadt. Dass er es mit Sachkenntnis und demokratischer Überzeugung tat, würdigte der Stadtvorstand mit den Worten:... „In den verschiedenen Ausschüssen des Kollegiums, dem Alexander Winckler angehörte, hörte man gern Rat und Anregungen von ihm. Vor allem war er tätig im Bau-Ausschuß. Verschiedene Straßen der Stadt verdanken besonders ihm ihre Entstehung. ... Seine politische Gesinnung vertrat er stets offen und ehrlich ...“

Die Lebensbedingungen im kriegsgebeutelten Deutschland wurden immer schlechter.
Die Zuteilungen standen oft nur auf dem Papier.
Neben den vom Kriegsernährungsamt angeordneten fleischlosen Wochen veranstaltete die Stadt Arnstadt stillschweigend butterlose Wochen. Die Zuckerverteilung blieb wochenlang aus.
Eines Tages kam es in Arnstadt auf dem Markt zur offenen Empörung. Am Samstag, dem 14. September 1918, sammelten sich Gruppen von Frauen und Jugendlichen und verlangten Kartoffeln und Butter. Die Polizei versuchte die Menge zu beruhigen, aber es kam zu Rufen wie ,“Brot für die Kinder“ und „Schluss mit dem Krieg“.

Die Novemberrevolution im kriegsmüden Deutschland des Jahres 1918 ging von Matrosen der Hochseeflotte aus.
Am 9. November 1918 wurde der Thronverzicht Wilhelm II. bekannt gegeben.
Der Soziademokrat Philipp Scheidemann rief am selben Tag in Berlin die Republik aus.
Am morgen des 9. November legten die Arbeiter der wichtigsten Arnstädter Betriebe die Arbeit nieder, auf dem Markt fand die erste Novemberkundgebung statt.
Am Abend sprach der Landtagsabgeordnete Wilhelm Bärwinkel im „Kurhaus“ auf einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema: „Arbeiterschaft, Frieden und das neue Wahlrecht“.
Es wurde ein Arbeiter- und ein Soldatenrat aufgestellt. Im Aufruf des Arbeiterrates, dessen Obmann Joseph Heer war, hieß es u. a. :“ ... Die neu zu wählende Nationalversammlung wird dann weitere Schritte zur einheitlichen Durchführung im Reiche zum Vorschlag bringen. Bis dahin heißt es ruhig Blut, eiserne Nerven und Ordnung bewahren.“
Unter Bezugnahme auf den Aufruf des Arbeiterrates forderte der Oberbürgermeister Bielfeld die Arnstädter Einwohner auf , Ruhe und Ordnung zu bewahren und in vertrauensvoller Zusammenarbeit der neuen Zeit entgegen zu gehen.
Am 8. Dezember fand in Arnstadt eine Zentraltagung der Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte der Oberherrschaft von Schwarzburg- Sondershausen statt.
In der Diskussion machte der Landtagsabgeordnete Bärwinkel Ausführungen über das Vermögen des Fürsten von Schwarzburg- Sondershausen. Wilhelm Bärwinkel erklärte, dass vom April 1919 ab der Fürst mit einer jährlichen Summe von 200.000
Mark abgefunden werden soll. Er hätte, wenn auch schweren Herzens, dem Vertrag zugestimmt.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung 1919 erhielten die bürgerlichen Parteien in Arnstadt 4426 Stimmen.
Die Überlegenheit der USPD in Arnstadt mit 5783 Stimmen gegenüber der SPD mit 266 Stimmen war eindeutig.

Die Nationalversammlung trat am 6. Februar 1919 in Weimar zusammen und verabschiedete eine Verfassung, die auf der starken Position des vom Volk gewählten Reichspräsidenten basierte und ein Verhältniswahlrecht ohne Hürden vorsah, das sich als destabilisierend erweisen sollte.

Zur Reichstagswahl im Juni 1920 erhielt die SPD 6 Stimmen, die USPD 4542, die KPD 528 und die bürgerlichen Parteien 5292 Stimmen in Arnstadt.

Das ohnehin nicht stark verankerte parlamentarisch-demokratische System geriet durch ständigen Parteienhader zunehmend in Misskredit und begünstigte Parteien wie die NSDAP.

Auf dem Berliner Parteitag im Dezember 1920 vereinigten sich USPD-Linke mit der KPD. Die USPD-Rechten vereinigten sich 1922 auf dem Nürnberger Parteitag wieder mit der SPD.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler.

 
 


 

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